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Zwänge und Aggressionen

Diagnose Autismus
Zwänge und Aggressionen

Er ist wieder unterwegs, er macht Dinge, die man sich manchmal gar nicht vorstellen kann.
Er schaltet dauernd das Licht an und aus.
Er schmeißt mit Gegenständen.
Er läuft weg, kommt nicht zurück, wenn man ihn ruft.
Er räumt mit einer Armbewegung den Tisch ab.
Er kratzt einen. Vielleicht beißt er auch.
Er ist den ganzen Tag auf Zerstörungstour.
Er schlägt seinen Kopf gegen die Wand.

Diese Liste kann beliebig verlängert werden.

Für Außenstehende nicht vorstellbar. Dies geht über Jahre. Ungeheure Belastung für die ganze Familie. Genervte Eltern verstärken ungewollt diese Problematik noch.

Dann kommen da noch die „ Guten Ratschläge".
Opa sagt: „ Verhau ihm mal den Hintern".
Die Freundin meint: „ Bekommst du den nicht in den Griff, ich würde....".
Mama und Papa sind den ganzen Tag beschäftigt. Denn wenn sie nichts mit dem Filius machen, macht der was mit ihnen. Dabei soll man ja noch seinem Beruf nachgehen usw.

In dieser Stärke kann es eventuell schon vor dem 3. Lebensjahr beginnen.
Man geht logischerweise zum Arzt. Der sieht das Kind aber nur kurze Zeit. Kann sich die Belastung und das ganze damit Zusammenhängende gar nicht vorstellen.
Man bekommt die ersten Berichte aus dem Kindergarten. Später berichten einem die Lehrer.

Denen versucht man zu erklären um was es geht.
Logischerweise wissen diese es besser. Sie denken, der will seinen Sohn nur reinwaschen, kann ihn nicht erziehen. Mir würde das nicht passieren.

Sicherlich kommen Ihnen diese Sachen bekannt vor. Sicherlich gibt es im Umfeld auch Ärzte, Lehrer, die einen verstehen können.

Was kann man tun in solch schwierigen Lebenssituationen. Wie kann man dem Autisten und sich selbst helfen.

Von meiner Seite kann ich sagen, dass ich mich seit ca. 16 Jahren mit ähnlichen Problemen befasse.

Ich bin kein Arzt, stehe aber täglich vor neuen Herausforderungen, die mir das Thema Autismus bietet.

Ich bin mit vielen so genannten „ Fachleuten" in Berührung gekommen,
habe aber nur sehr wenige getroffen, die wirklich helfen konnten.
„ Wenn man sich INTENSIV mit Autismus befasst, kann man TEILE davon verstehen".
( Aussage eines Autisten).

Wie viele Teile ich verstehe sollen andere beurteilen, wenn sie meinen dies zu können.
Mir sind einige Autisten bekannt und ich kann teilweise verstehen wie es in ihnen aussieht.
Sehr wichtig für mich sind Gespräche mit Eltern. Erfahrungsaustausch ist enorm wichtig.
Schließen Sie sich bitte einem Regionalverband an.

Weitere sehr wichtige Quellen sind für mich FC* - Schreiber und ihre Aussagen.
Da ich selber schon mehrere Jahre auch als Stützer Erfahrungen gesammelt habe, bin ich auch in der Lage Vieles vom Schreiber zu verstehen und es mit anderen Schreibern zu vergleichen.

Was Autisten schreiben, können viele lesen, doch nur wenige können es verstehen.
Viele „ Fachleute" können nicht glauben, dass FC funktioniert.
Zitat eines Autisten: „ Oft liest nur der Kopf, aber der Geist versteht nicht".

Nun meine Erfahrungen mit Zwängen, Aggressionen und Ähnlichem.

Autisten wollen sich korrekt verhalten. Aber aufgrund nervlicher Probleme sind sie nicht in der Lage dies zu tun.
Dies heißt nicht, dass Autisten dumm sind, bzw. dass sie geistig nicht in der Lage sind sich genau so zu verhalten wie andere.
Nur die Nerven erfüllen ihre Funktion nicht, bzw. Nervenfunktionen sind gestört.
Ein Fall für den Neurologen? Ich meine Ja. Doch diese sind nicht in der Lage zu helfen, da Nerven wissenschaftlich noch viele Rätsel aufgeben.
Vielen Autisten fehlt es an Körpergefühl. Das heißt sie spüren sich nicht vollständig.
Vielleicht punktuell übersensibel, andere Bereiche untersensibel.
Daher ist es für sie schwer einer Zwangshandlung zu entfliehen, da sie die Grenzen nicht finden können.

Autisten brauchen „ Erdung", was für sie heißt, berührt werden, sich besser spüren zu können.
Sie brauchen eine klare „ Linie" an der sie sich orientieren können.
Man sollte streng zu ihnen sein, aber auch Verständnis signalisieren.
Sehr wichtig: Gegenseitiges Vertrauen.
Sehr wichtig: Kommunikation. Wenn sprachlich nichts geht unbedingt schon früh versuchen
FC anzubahnen. Nur so kann man erfahren wie es in einem Autisten aussieht, wie er sich fühlt,warum er es getan hat, welche Ängste er hat etc.

TOTAL FALSCH: Einen Autisten zu beurteilen nach dem was er tut. Das was man dabei sieht, ist nicht das wahre ICH.

Der Autist will sich korrekt verhalten, kann es nicht, ist deswegen darüber traurig, verzweifelt.

Dann bekommt er noch Druck von anderen für seine ungewollten Entgleisungen.
Dies fördert Depression und Aggression.
Versuchen Sie sich mal in eine solche Situation zu versetzen. Wie würden sie reagieren?

Wie helfe ich einem Autisten wenn er sich in Zwangssituationen befindet?

Versuchen Sie selbst ruhig zu bleiben, vor allem innerlich.
Ihn körperlich aus der Zwangssituation rausholen.
Atemübungen ( kräftiges Ein- und Ausatmen ) können in kritischen Situationen helfen.
Gegenseitigen Blickkontakt herstellen. Gemeinsam atmen.

Schaden reparieren. Das heißt zum Beispiel, Dinge wieder in Ordnung bringen. Z.B. Sachen wieder gemeinsam holen, die er aus dem Fenster geschmissen hat etc.
Bei manchen Zwangshandlungen ist es sinnvoll, den Autisten diese erst durchführen zu lassen.

Beispiel: Er will Ihnen laufend das Spülwasser ausschütten.
Wenn sie ihn (körperlich) wegziehen, ist für ihn der Zwang noch nicht abgeschlossen.
Soll er es noch mal ausschütten. Dann aus der Situation nehmen.
Wenn er kratzt ( sich selbst, oder andere ): evtl. Pulloverärmel vorne über die Hand ziehen und zubinden.

Er fordert dann möglicherweise von ihnen, dass sie ihm die Ärmel wieder zubinden, wenn die Kratz - Zwänge wieder auftauchen.
Kreativität ist in solchen Fällen immer von Vorteil.
Gewöhnlich versucht der Autist sich selbst vor seinen Zwängen zu schützen.
Dieser Selbstschutz entfällt möglicherweise bei Gaben von Neuroleptika.

Zwänge in der Pubertät.
Besondere Vorsicht ist in der Pubertät geboten. Hier haben viele Autisten große Probleme.
Zwänge können so eskalieren, dass nur der Zwang regiert und sonst nichts.
Dann ist 1:1 - Betreuung erforderlich. Meines Wissens hat es schon einen Fall gegeben, bei dem der Autist sich zwanghaft den Kopf gegen die Wand geschlagen hat.
Danach bildete sich ein Blutgerinnsel und er ist daran verstorben.
Bei solch starken Zwängen ist mangelnde Aufsicht fahrlässig.
Öfters kommt es auch zu Rückschritten, es tauchen Verhaltensweisen wieder auf, die man meint längst hinter sich gelassen zu haben.

Medikamente bei Zwangsverhalten und Aggressionen.
Hier habe ich besonders viele Probleme und Wirkungsweisen erlebt. Verständlicherweise möchte ich nicht die Namen der Medikamente erwähnen.
Schön ist es immer, wenn man keine braucht.

Ein Autist hat, es wie ich bereits erwähnt habe, schwer sich zu spüren.
Hat es schwer die Zwänge zu durchbrechen, da er die Grenzen der Zwänge nur schwer findet.Neuroleptika machen es ihm noch schwerer, da er dann nicht mehr Herr über sich selbst ist.

Dazu kommen noch die Nebenwirkungen, die man vielfach fälschlicherweise dem Autismus zuschreibt.

Nebenwirkungen können sein: Der Patient steigt auf die Möbel, läuft gegen die Wand, durch Büsche, bekommt Schlundkrämpfe, fängt an zu zittern. Aber gegen dieses „Zittern"
( extrapyramidale Störungen) gibt's ja auch wieder ein Medikament. Dann noch ein Mittel das ihm hilft in den Schlaf zu kommen. Und schon ist der Cocktail fertig.
Die Pharmaindustrie vertreibt momentan ein Mittel der so genannten „Neuen Generation", das keine oder nur wenige Nebenwirkungen haben soll. Dies stimmt aber nicht, soweit mir bekannt wurde.

Viele Ärzte verschreiben dies im besten Glauben. Leider sehen die Ärzte den Patienten oftmals nur kurze Zeit. Sie bekommen dann nicht mit, was zu Hause bzw. in den Einrichtungen abläuft.

Bei manchen Neuroleptika kommen die Nebenwirkungen verstärkt wenn man sie versucht abzusetzen.

Es ist sehr schwer für die Ärzte, das passende Mittel zu finden. Hat man eines kommt das Problem der richtigen Dosierung.
Hier kann ich sagen: weniger bringt manchmal mehr.

Ist ein Mittel überdosiert, verstärken sich die Zwänge enorm ( Verwirrtheits- und Erregungszustände). Man erreicht das Gegenteil von dem, was man eigentlich möchte.
Im Grundsatz sollte man kein Neuroleptikum nehmen, sondern andere Mittel mit weniger Nebenwirkungen.

Es gibt solche Mittel. Es gibt auch spezielle Mittel gegen Zwänge. Aber auf Dosierung achten.

Hier hilft es enorm, wenn der Autist über FC mitteilen kann, ob ihm das Mittel hilft, bzw. wie viel davon und wann.
Falsch ist hier ein Arzt, der meint nur „ Er" weiß hier, was zu tun ist.
Es gilt einen Arzt zu finden mit dem man Vertrauensvoll zusammenarbeiten kann, der sich von Fehlern nicht ausnimmt.

Hilfe durch Heilpraktiker bei Zwängen.
Probieren kostet was. Aber es kann viel Hilfe bringen, und das ohne Nebenwirkungen.
Hier sollten sie solche Heilpraktiker suchen, die sich auf Irisdiagnose, Kineseologie oder ähnliches spezialisiert haben. Es gilt hier das gleiche wie bei Ärzten.
Finden sie den Richtigen.

Mechanische Schutz- und Hilfsmittel
Sollten starke Zwänge vorliegen, kann man sich z.B. mit einem Schutzhelm, Lederfäustlingen oder Armstulpen behelfen.
Fixierungen bedürfen der Genehmigung eines Richters.

Der positive Zwang
Wir werden durch diese Zwänge „gezwungen" uns mit Dingen zu beschäftigen, die unser Bewusstsein erweitern.
Ich denke einige können mich hier verstehen.

Grundsätzliches
„ Geistig Behindert" , ein schrecklicher Ausdruck.
Nicht genormt, jeder kann ihn gebrauchen. Nirgendwo festgelegt was geistig behindert bedeutet.

Bedeutet es, dass wir geistig behindert sind? Oder sind wir in der Lage z.B. den Autisten
zu helfen? Wenn die Autisten sagen würden: „Wenn ihr euch für so klug haltet, warum könnt ihr uns dann nicht helfen?"
Haben wir das Recht zweifelhafte Statistiken zu veröffentlichen, wie viele Autisten geistig behindert wären?
Hat eine solche Statistik schon einem Autisten geholfen? Ich glaube nicht.
Eher werden Eltern dadurch entmutigt.
Würden sie als FC - Schreiber mit einem Stützer schreiben, der sie für geistig behindert hält?
Nehmen Sie Autisten ernst. Einer hat mir mal geschrieben: „Es ist wie bei den Menschen, auch bei uns Autisten gibt es Gescheite und Dumme."

Es gibt Autisten, denen konnten Ärzte nicht helfen. Aber die Autisten konnten sich selbst helfen, indem sie schreiben konnten wie man dem Zwang beikommen kann. Oder wie man das Mittel dosieren sollte.

Auch darum meine ich ist es wichtig eine gute Kommunikation aufzubauen.
Dies geht nur, wenn man sich gegenseitig ernst nimmt, sich gegenseitig vertraut.
Das mildert Zwänge und baut Aggressionen und Depressionen ab.
Suchen und finden sie charakterstarke und gute Ärzte, Heilpraktiker, Lehrer, Betreuer usw.

Dies wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen.

© Werner Karle
08.03.04
* FC = Facilitated Communication - Gest ützte Kommunikation



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