Irlen - Filter
Irlen-Syndrom und Autismus:
KLEINE URSACHE - GROSSE WIRKUNG?
Können spezielle Farbfilter die Wahrnehmungsstörungen von Menschen mit Autismus lindern?
Eine Einführung in das Thema von Jürgen Greiner
Eigentlich wollten die Eltern noch ein paar Minuten auf der Terrasse sitzen und mit ihrer Gastgeberin Kaffee trinken, doch daraus wird wohl nichts. Der Sohn will nach Hause und nichts kann ihn davon abbringen. Als Eltern kennt man ja so eine Situation. Wenn es sich aber bei dem Kind um einen Jungen mit Autismus handelt, dann ist Stress angesagt.
Pausenlos läuft er hin und her, zerrt einmal den Vater, dann wieder die Mutter in Richtung Ausgang. Er beginnt zu nerven, ganz schrecklich zu nerven. "Wir gehen in einer halben Stunde!" - Sinnlos, er nervt weiter, beginnt zu lautieren, läuft weiter ständig hin und her, nimmt Gegenstände in die Hand, legt sie (an einem anderen Platz) wieder weg und versucht erneut, einen der Eltern in Richtung Ausgang zu schieben, zu zerren, zu bewegen.
Keine zwei Minuten später sitzen die Eltern doch beim Kaffee und ihr Sohn sitzt etwas abgesetzt vom Geschehen auf der Treppe zur Terrasse. Doch er ist ganz ruhig und scheint es gar nicht mehr eilig zu haben. Der einzige Unterschied zwischen dem unscheinbaren Jungen auf der Treppe und dem kleinen Kobold, der er noch vor kurzer Zeit war, ist der, dass er jetzt eine Brille mit farbig eingefärbten Gläsern trägt.
War das gerade Zufall, Zauberei oder hat das mit der Brille mit den eingefärbten Gläsern zu tun, dass er plötzlich ganz ruhig geworden ist? - Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, muss ich etwas weiter ausholen:Obwohl ich schon viel über den Autismus und seine ihm zugrunde liegenden zentralen Störungen in der Verarbeitung der Sinneseindrücke gelesen, geschrieben und anderen berichtet habe, ertappe auch ich mich immer wieder, dass ich in bestimmten Situationen meinen Sohn behandle, als sei er gesund.
Da reagiert er auf eine Anweisung nicht (oder nicht gleich) und ich wiederhole diese, indem ich etwas lauter werde. Da ich aber davon ausgehen darf, dass er immer noch bzw. inzwischen wieder (zumindest leicht) geräuschüberempfindlich ist, müsste ich eigentlich meine Stimme senken. Beim dritten Versuch merke ich dann meistens meinen Fehler und siehe da, es klappt. Theorie ist eben eine Sache, der Alltag eine andere.
Autistisch Betroffene berichten uns von Störungen in der Wahrnehmungsverarbeitung, die wirklich so unvorstellbar sind, dass sie für uns Gesunde wirklich nur in Ansätzen nachvollziehbar sind. Ich hätte nie gedacht, dass ein Mensch so gut hören könnte, dass er Gespräche am Besten vor der verschlossenen Tür verfolgen kann. Gleichwohl haben uns seit ein paar Jahren, als die Auricula - Therapie in Deutschland bekannt wurde, die damit behandelten Kinder immer wieder gezeigt, welche gewaltigen Unterschiede es zwischen vor und nach der Behandlung geben kann.
Während man sich aber zu laute Geräusche noch vorstellen und sich so einigermaßen in die Betroffenen hinein versetzen kann, so sprengt eine erst seit kurzem bekannt gewordene Entdeckung fast die Vorstellungskraft des gesunden Betrachters: Bestimmte Farben im Spektrum des Lichts sollen die Wahrnehmung eines Menschen mit Autismus derart gravierend stören, dass sie (zumindest zu einem guten Teil) verantwortlich für die seltsamen Verhaltensweisen der Betroffenen sind. Also quasi eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte Farben. Die Rede ist vom Irlen-Syndrom.
Den Namen hat das Syndrom von seiner Entdeckerin, der Amerikanerin Helen Irlen. Da die Psychologin ihre Entdeckung in der Zusammenarbeit mit Menschen gemacht hat, die unter einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (kurz LRS genannt) leiden, wird die Bedeutung des Irlen-Syndroms gerne verkannt. Begonnen hatte alles damit, dass Helen Irlen durch einen Zufall entdeckt hatte, dass Personen mit LRS weniger Lese-Probleme hatten, wenn eine entsprechend farbige Folie über das Papier gelegt wurde. Die Buchstaben würden aufhören, sich ständig zu bewegen! berichteten die Betroffenen.
Im Laufe weiterer Forschungen fand Mrs. Irlen heraus, dass etwa die Hälfte der Personen mit LRS davon profitieren konnten. Sie stellte zudem fest, dass es nicht egal war, irgend eine farbige Folie auf das Papier zu legen, sondern dass jeder, der davon profitieren sollte, seine individuell farbig eingefärbte Folie benötigte. War die Farbe falsch, dann wurden die Probleme sogar noch schlimmer, als sie zu Anfang waren.
Es gibt bisher nur sehr wenig deutschsprachige Literatur zum Thema Irlen-Syndrom. Lediglich ein Buch von Helen Irlen wurde übersetzt. Es trägt den Titel Lesen mit Farben, was vielleicht einer der Gründe ist, dass die Professionellen, die schon einmal etwas vom Irlen-Syndrom gehört haben, dies (zuerst) in Zusammenhang mit LRS bringen.Dass beim Lesen die Betroffenen das Gefühl haben, die Buchstaben würden sich be-wegen, verschwimmen, verblassen oder sonst in einer anderen Weise unlesbar erscheinen, ist nur eine von vielen denkbaren Auswirkungen des Irlen-Syndroms. Viele Personen, die unter ständiger oder häufiger Migräne leiden, haben das gleiche Grundleiden: Eine Unverträg-lichkeit auf ein bestimmtes Spektrum des Lichts.
Unter diesen Personen können sich hervorragende Leser befinden, was verdeutlicht, dass die Auswirkungen des Irlen-Syndroms total unterschiedlich sein können. Gemeinsam ist allen Irlen-Syndrom-Betroffenen jedoch, dass ihre (verschiedenen) Probleme gelindert oder beseitigt werden, wenn es gelingt, die störenden Frequenzen aus dem Lichtspektrum herauszufiltern.
Farbige Folien helfen daher nur einem Teil der Betroffenen. Der andere Teil braucht einen speziellen Licht-Filter in Form von farbig eingefärbten Brillengläsern.Doch was hat das Irlen-Syndrom mit Autismus zu tun? Wir wollen in dieser Ausgabe versuchen, genau diese Frage zu klären.Wir haben bereits in der 5. Ausgabe von WIR ELTERN einen fachlich fundierten Aufsatz von Frau Dorothee Perpeet über das Irlen-Syndrom abgedruckt.
Frau Perpeet geht darin ausführlich auf die Bedeutung des Irlen-Syndrom sowohl allgemein als auch in Bezug auf Autismus ein und führt auch einige wissenschaftliche Erklärungsansätze an. Ich sehe deshalb meine und die nachfolgenden Ausführungen nicht als Ersatz, sondern eher als Ergänzung zu diesem Aufsatz an, wobei wir als Redaktion nicht versuchen wollen, die o.g. Frage wissenschaftlich zu klären. Unser Ziel ist dann erreicht, wenn anhand unserer Ausführungen jeder autistisch Betroffene oder jede Mutter oder jeder Vater eines autistischen Kindes sich die Frage beantworten kann: Könnten Irlen Filter mir bzw meinem / unserem Kind helfen?
Allen Professionellen, die unsere Zeitschrift lesen und sich vielleicht etwas mehr Wissenschaftlichkeit erhofft haben, empfehlen wir neben dem bereits erwähnten Aufsatz von Frau Perpeet eine neu erschienene Broschüre von Frau Angelika Koch (BV/RV Dortmund e.V.) zum Thema Irlen-Syndrom und Autismus.Wenn ich beschreiben soll, welche Auswirkungen diese Überempfindlichkeit auf bestimmte Farben für Menschen mit Autismus hat, komme ich mir natürlich sprichwörtlich wie jener Blinde vor, der über Farben redet. Alle Betroffenen, die diese Zeilen lesen, bitte ich deshalb um Nachsicht.
Mit dem Versuch, in dieser Ausgabe die Störungen der Wahrnehmung bei Menschen mit Autismus so darzustellen, dass sie für Jedermann verständlich werden, mussten wir das Risiko eingehen, vielleicht gewaltig daneben zu liegen. Wir sind jedoch der Auffassung, dass es an der Zeit ist, diese vornehme Zurückhaltung aufzugeben, indem man nur von dem spricht, was wissenschaftlich nachvollziehbar oder beweisbar ist. Was hat es den Betroffenen bisher effektiv gebracht? Die wenig hilf- und trostreiche Erkenntnis, dass es sich beim Autismus um eine bisher unheilbare Störung handelt? - Vielleicht endet auch unser Weg in einer Sackgasse, aber wir sollten es zumindest versuchen, mit Beginn des neuen Jahrtausends auch in Sachen Autismus neue Wege zu gehen. Im Umgang mit neuen Behandlungsmethoden sollte deshalb zukünftig nicht der Ruf nach Wissenschaftlichkeit, sondern die Hoffnung, damit vielleicht bedeutend helfen zu können, oberste Priorität haben.
Ob nun das Irlen-Syndrom als ein spezieller Teil des autistischen Syndroms zu sehen ist oder als eigenständiges Syndrom quasi dazu kommt, ist eine zwar eine interessante akademische Frage, aber meines Erachtens im Ergebnis egal. Eine Linderung dieser Lichtempfindlichkeit verschafft dem sowieso schon sehr stark strapazierten Gehirn autistischer Menschen zumindest etwas Erleichterung. Wie dem auch sei: Tatsache ist, dass es in letzter Zeit immer mehr Berichte von autistisch Betroffenen gibt, wie gut ihnen die Filter tun würden bzw. von Eltern, dass sie bei ihren Kindern Veränderungen im Verhalten beobachten, welche sie als positiv bewerten.Dies allein schon ist Grund genug, eine neue Methode etwas näher zu betrachten, auch wenn man sich ihre Wirkungsweise vielleicht nicht gleich erklären kann.
Wir haben deshalb im weiteren Verlauf dieses Ausgabe den Schwerpunkt dahingehend gesetzt, Betroffene und Augenzeugen zu Wort kommen zu lassen.Da ich jedoch in den Jahren, in denen ich in Sachen Autismus aktiv gewesen bin, immer wieder die Erfahrung machen musste, dass es leider einige Zeitgenossen gibt, für die nur die sachliche Wissenschaft zählt, muss ich in den nachfolgenden Zeilen zumindest andeuten, dass es auch in Sachen IRLEN brauchbare wissenschaftliche Ansätze gibt, wobei noch nicht alle konsequent verfolgt werden.
Mein heute dreizehnjähriger Sohn (FC-Schreiber) schrieb mir, nachdem er die 5. Ausgabe von WIR ELTERN gelesen hatte: "Ich habe über die Gläser nachgedacht und ich denke, sie werden mir helfen!" Anfang November 1998 wurde er von Mrs. Ann Wright (Irlen Center East, London) diagnostiziert und er suchte sich dabei seine Farbfilter aus.Ein paar Tage zuvor hatten wir vom RV NBW e.V. unsere zweite überregionale Fachtagung durchgeführt, wo neben Mrs. Wright die Herren Dr. Wigand und Dr. Weiler vom NeuroNet-Institut über Hirn-Funktions-Analyse (HFA) und Neurofeedbackverfahren referierten. Mrs. Wright war über unsere Auswahl der Referenten sehr erfreut, weil in den USA einige Irlen-Diagnostiker damit begonnen hatten, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die die vom NeuroNet-Institut praktizierte Technologie auch benutzen. Mrs. Wright ging es in erster Linie um die Frage, ob es sinnvoll sei, die Technik der HFA zur Diagnose des Irlen-Syndrom mit einzusetzen.
So kam es, dass mein Sohn am Vormittag von Mrs. Wright diagnostiziert wurde und wir am Nachmittag alle zusammen zum NeuroNet-Institut ins Saarland fuhren. Mein Sohn hatte sein Einverständnis dazu gegeben, dass von ihm an diesem Tag nochmals eine HFA (ein sehr spezielles EEG) erstellt wurde, wobei festgestellt werden sollte: Wie wirken sich Irlen-Filter auf die Funktion des Gehirns aus?
Sieben Mal wurde ein EEG geschrieben und zwar einmal ganz ohne Filter und dann jeweils mit den sechs in die nähere Auswahl gekommenen Filter.Das Ergebnis war sensationell: Einzig bei dem Filter, den er am Vormittag ausgesucht hatte, zeigten sich gravierende Veränderungen des EEG's (eine deutliche Zunahme der Symmetrie der Hirnhälften). Dabei hatte er die einzelnen Filter höchstens eine halbe Minute lang getragen.Dieses kleine Experiment ist sicherlich kein wissenschaftlicher Beweis für das Funktionieren der Irlen-Methode. Aber es ist doch ein recht starkes Indiz dafür, dass diese Filter die Hirnfunktion nachhaltig (positiv) beeinflussen können.
Neben vielen Berichten von Betroffenen, wie sehr ihnen IRLEN geholfen hat (allen voran die durch ihre Bücher bekannte Donna Williams), gibt es eine Reihe solcher kleiner Experimente, die alle positiv verliefen, jedoch (noch) nicht den strengen Regel wissenschaftlicher Beweisführung stand halten würden. So berichtete Ann Wright auf unserer Tagung von dem italienischen Pathalogen Prof. Dr. Barbolini, Vater eines autistischen Sohnes. Prof. Barbolini, der an der Universität von Modena arbeitet, hat erste Versuchsreihen durchgeführt und stellte etliche Veränderungen im menschlichen Organismus fest, wenn die Irlen-Methode zum Einsatz kam.
Ich möchte jetzt aber diesen kleinen Ausflug in die Welt der Wissenschaft schnell wieder verlassen, weil dies zum einen erklärtermaßen nicht mein Thema ist, zum anderen aufgrund der Vielfalt der möglichen Störungen allgemein gültige wissenschaftliche Aussagen sowieso nur ganz schwer zu treffen sind.Wenn man sich jetzt als Eltern die Frage stellt: "Könnten diese Filter meinem Kind helfen?", so stehen wir vor der schwierigen Aufgabe, die visuelle Wahrnehmung unseres Kindes treffend einzuschätzen. Führt das Kind Stereotypien aus, die auf eine visuelle Störung schließen lassen (siehe unseren einleitenden Bericht zum Thema Wahrnehmung) oder kann beobachtet werden, dass das Kind sich gerne im Schatten aufhält, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass Irlen-Filter hier helfen könnten.
Man darf zudem nicht vergessen, dass sich eine Störung in einem Sinneskanal auf alle anderen Sinne auswirken kann. Das gilt sowohl im negativen Sinne (also bei zentralen Störungen) als auch im positiven (wenn die Störung gelindert oder eliminiert werden konnte). Ich will damit zum Ausdruck bringen, dass unter einer Lichtempfindlichkeit nicht nur das Sehen, sondern das gesamte Wohlbefinden (massiv) leiden kann.Ich kenne zwischenzeitlich eine Reihe von autistischen Menschen, die Irlen-Filter benutzen.
Sie berichteten anfänglich alle über Veränderungen in der visuellen Wahrnehmung, die sie sehr positiv empfanden (kann plötzlich ganze Gesichter erkennen, weniger Verzerrung im Sehen, etc.). Ihre Umgebung berichtete, dass sie beim Tragen der Filter (als Brille) merklich ruhiger geworden sind. Erschreckend viele von denen beklagten sich jedoch nach einer gewissen Zeit, dass die Brille alles viel zu dunkel machen würde. Eine Erklärung dafür wäre, dass das gesamte Wahrnehmungssystem dieser Betroffenen durch diese massive Lichtempfindlichkeit so stark gestört war, dass die (ersten) Filter zunächst einmal Erleichterung verschafften. Als sich das System insgesamt jedoch erholt hatte, fiel den Betroffenen von Tag zu Tag immer mehr auf, dass jetzt alles zu dunkel sei. In einigen der mir bekannten Fälle wurde schließlich eine zweite Farbe dem Filter hinzugefügt und das Problem so behoben.
Aus Interviews, die ich mit meinem Sohn führte, lernte ich eindrucksvoll, dass die Wahrnehmung von Bewegungen und die von ruhigen Objekten unterschiedlich gestört sein kann (einmal scheinbar unter-, einmal überempfindlich). Dies muss nicht bei jedem Betroffenen so sein, doch dieses Beispiel macht deutlich, um welch komplizierte Materie es sich handeln kann.
Das Screening verschafft Gewissheit
Wenn Betroffene oder Eltern von Betroffenen sich jetzt fragen: Könnte diese Methode mir bzw. unserem Kind helfen, so wäre als erster Schritt ein Fragebogen auszufüllen, bevor das durch eine(n) Irlen-Screener(in) durchgeführte Screening Klarheit darüber verschaffen soll: Liegt IRLEN-Syndrom vor oder nicht? bzw. Können IRLEN-Filter helfen oder nicht? Erst wenn diese Frage positiv beantwortet worden ist, wird im zweiten Schritt die Diagnostik durchgeführt, wo der Betroffene dann "seine Farbe" erhält.
Nun gibt es gerade unter den Menschen mit Autismus viele, die sehr schwer gestört sind und auch schwere Verhaltensstörungen aufweisen. Während es einerseits nahe liegend ist, dass aufgrund der Schwere der Störungen gerade diese am dringendsten gescreent werden sollten, scheuen sich viele Eltern davor, sich zum Screening anzumelden, weil sie Angst haben, dass ihr Kind nicht mit macht und so die Mühe vergebens sein wird. Die Tatsache, dass es noch nicht überall in Deutschland ausgebildete Screener gibt und so bei manchen noch ein weiter Anreiseweg hinzukommt, macht das Dilemma nicht gerade kleiner.Um diesen Umständen Rechnung zu tragen, wurde (speziell für autistisch Behinderte) ein umfangreicherer Fragebogen (über 100 Fragen) entwickelt, der zumindest das Screening (also die Beantwortung der Frage, ob IRLEN-Syndrom vorliegt oder nicht) ersetzt.
Ausgewertet wird dieser Fragebogen derzeit nur von Frau Angelika Koch, selbst Betroffene, Mutter eines jungen Mannes mit Autismus und ausgebildete IRLEN-Screenerin. Ich kenne Frau Koch jetzt schon einiger Zeit und kann bezeugen, dass sie die dafür notwendige Erfahrung und Wissen hinsichtlich autistischer Störungen hat.Die Auswertung dieses Fragebogens kostet 50,- DM. Ich kann jeden Eltern nur dazu raten, diese kleine Investition zu tätigen.
Diagnostik des IRLEN-Syndrom
Hat das Screening ergeben, dass IRLEN-Syndrom vorliegt, so gilt es im zweiten Schritt, die richtigen Filter auszuwählen: Die Diagnostik durch eine(n) ausgebildete(n) Diagnostiker(in).Laut IRLEN ist eine Diagnostik auch möglich, wenn das Kind mit Autismus nicht spricht, denn bereits an Merkmalen wie Verhalten, Blick, Gesichtsmimik, etc. kann der erfahrene Irlen-Diagnostiker sehr viel ablesen. Der Patient sollte aber mindestens sicher JA / NEIN oder BESSER / SCHLECHTER sagen oder zeigen können.
Sicherer ist es natürlich, wenn die untersuchte Person spricht oder über FC kommunizieren kann. Die beiden Fotos auf der nächsten Seite zeigen meinen Sohn Daniel bei seinem jüngsten Termin in der Dortmunder Ambulanz. (Daniel hat übrigens ausdrücklich sein Einverständnis zur Veröffentlichung der Bilder gegeben.)Nachdem wir (zusammen mit ihm) ein paar Tage vorher den bereits erwähnten neuen Fragebogen ausgefüllt hatten, bekam er während der Untersuchung von Mrs. Wright etliche Filter vorgehalten, wobei er durch FC mitteilte, welcher der Filter besser und welcher schlechter sei.
Ich habe das Experiment gewagt, ob es tatsächlich möglich sei, allein durch Beobachtungen Antworten zu erlangen. Ich habe ihn deshalb beobachtet und jedes Mal versucht, seine Antwort zu erraten, bevor er sie gab. Meine Trefferquote lag bei 100%, weshalb ich guten Gewissens bestätigen kann, dass es notfalls auch mit dem Mindestmaß an Kommunikation geht. Falls jetzt einige FC-Gegner laut aufschreien und mutmaßen, die Stützerin (Daniels Mutter) habe ihn beeinflusst, so darf ich hier versichern, dass meine Frau und ich dieses Experiment vorher abgesprochen haben und sie bewusst nicht auf seine Reaktionen geachtet hat.
Das Bild zu Beginn meines Beitrags, welches wir aus rechtlichen Gründen leider nicht farbig drucken dürfen, zeigt die Menge der zur Verfügung stehenden verschiedenen Farbfilter. Würde man alle ausprobieren, so würde das den Rahmen einer Sitzung sprengen. So musste auch Daniel nicht alle Filter ausprobieren, denn aufgrund des Fragebogens konnte bereits eine Vorauswahl getroffen werden.
Ich bin natürlich sehr gespannt, wie sich die neuen Filter bei Daniel auswirken werden. Über ähnliche Probleme wie Daniel klagte auch Patrick, der anfangs seine Filter gar nicht mehr absetzen wollte, weil sie ihm so gut taten.
Doch auch er klagte nach einer gewissen Zeit darüber, dass alles zu dunkel sei. Ein paar Tage nach Daniel hatte er seinen Nachuntersuchungstermin in Dortmund.Patrick ist FC-Schreiber. Auf meine Bitte hin, ob er nicht unser jüngster Autor werden und etwas über Irlen-Filter schreiben möchte, schickte er mir vor ein paar Tagen so viele von ihm geschriebene Seiten zu, dass wir in der Redaktion eine kleine Auswahl treffen mussten, weil wir nicht genug Platz haben, alles zu drucken. Was er schreibt, ist aber so beeindruckend, dass ich jedem Leser empfehle, sich die dafür notwendige Zeit und Ruhe zum Lesen, Begreifen und Verstehen zu nehmen.





